Serbien · Vojvodina · Gemeinde Kovačica

Ein Dorf.
Viele Geschichten.

Padina ist kein Dorf, das man an einem Nachmittag versteht. Seine Geschichte beginnt mit einer Flucht vor den Osmanen, führt über die habsburgische Militärgrenze und die Ansiedlung slowakischer Familien bis zu den Arbeitsmigranten der 1960er Jahre. Diese Seite ist ein Versuch, diese Fäden zusammenzuhalten.

Die Geschichte entdecken
Blick über die Landschaft bei Padina
EIN ORT ZUM KENNENLERNENSlowakische Wurzeln. Banater Heimat.
Blick über die Ebene bei Padina. Foto: Wikimedia Commons / Panoramio (CC BY-SA).
BanatRegion in der Vojvodina
1806Erste slowakische Familien
96,7 %Slowakischer Bevölkerungsanteil (2002)
Wofür diese Seite wächst

Ein gemeinsames digitales Gedächtnis für Padina.

Diese Webseite ist ein Anfang. Sie soll schrittweise zu einem kulturellen Anhaltspunkt werden, an dem Menschen aus Padina und alle, die heute im Ausland leben, Erinnerungen gemeinsam bewahren und wiederfinden können.

01

Konten für die Gemeinschaft

Später sollen Menschen aus Padina und aus der Diaspora eigene Konten anlegen können. So können viele Familien und Generationen am gemeinsamen Archiv mitwirken.

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Bilder und Geschichten bewahren

Alte Fotografien, Dokumente, Familienerinnerungen und Geschichten, die bisher nur einzelne Menschen kennen, sollen ergänzt, beschrieben und miteinander verbunden werden können.

03

Nachschlagen und weitergeben

Aus vielen persönlichen Beiträgen soll ein verlässlicher kultureller Erinnerungsort entstehen: zum Nachschlagen, zum Verstehen des früheren Lebens und zum Weitergeben an kommende Generationen.

Mitmachen · Ehrenamt

Mitwirkende gesucht

Für den künftigen Ausbau werden Menschen aus Padina und der Diaspora gesucht, die Texte, historische Bilder, Bildergalerien und Ortsgeschichten sichten, ordnen und pflegen möchten. Die Mitarbeit ist freiwillig und zunächst unentgeltlich. Gemeinsam soll ein verlässliches, respektvolles Archiv entstehen.

Interesse? info@padina.onlineAufgaben und weitere Kontaktmöglichkeiten werden ergänzt, sobald die Mitarbeit organisatorisch vorbereitet ist.
Geplanter Ausbau

Konten, Uploads und gemeinschaftliche Beiträge sind noch nicht verfügbar. Sie sollen in einer späteren, umfangreicheren Version mit klaren Regeln für Datenschutz, Bildrechte und redaktionelle Prüfung umgesetzt werden.

Symbolische Illustration · keine Porträts realer Einwohner

Menschen & Bevölkerung

Ein Dorf, das fast ganz slowakisch ist.

Padina gehört zur Gemeinde Kovačica im südlichen Banat. Laut der Volkszählung von 2002 lebten hier 5.760 Menschen, davon 5.575 Slowaken – ein Anteil von 96,7 Prozent. Damit ist Padina eine der Gemeinden mit dem höchsten slowakischen Bevölkerungsanteil in ganz Serbien und gilt im slowakischen Ausland als „Niederlassung mit der größten slowakischen Grundschule“ in der Vojvodina.

Diese demografische Besonderheit ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis einer gezielten Ansiedlungspolitik der Habsburger Monarchie im 18. und frühen 19. Jahrhundert – einer Geschichte, die mit den Osmanenkriegen beginnt.

Vom Osmanenreich zur Militärgrenze

Warum die Slowaken in den Banat kamen

Die Ansiedlung von 1806 war kein isoliertes Ereignis. Sie war Teil einer jahrzehntelangen Bevölkerungsverschiebung, die durch Kriege, Vertreibungen und die habsburgische Kolonisierungspolitik ausgelöst wurde.

Die Geschichte Padinas lässt sich nicht ohne den größeren historischen Rahmen verstehen: das Vordringen und den Rückzug des Osmanischen Reiches, die daraus entstehenden Verwüstungen und die anschließenden Bemühungen der Habsburger, die entvölkerten Gebiete wieder zu besiedeln.

Flucht und Verwüstung

Nach dem gescheiterten osmanischen Vorstoß auf Wien (1683) und den darauf folgenden Gegenoffensiven der Habsburger flohen zehntausende Serben unter Patriarch Arsenije III. Crnojević über die Donau in das Gebiet der heutigen Vojvodina. Die kaiserlichen Offiziere siedelten sie vor allem im östlichen Syrmien, in der südöstlichen Batschka und im südlichen Banat an. Weite Teile der Banater Tiefebene waren zuvor durch die jahrzehntelangen Kriegszüge entvölkert und verwüstet worden.

Die habsburgische Kolonisierung

Die Habsburger begannen, die verödeten Gebiete systematisch neu zu besiedeln. Siedlerströme aus dem Heiligen Römischen Reich, aus Oberungarn (zu dem auch die Slowakei gehörte) und aus Siebenbürgen wurden in die Baranya, die Batschka, das Banat und Syrmien gelenkt. Hunderttausende „Schwaben“, Magyaren, Rumänen, Slowaken, Rusinen und Südslawen wurden so in Südungarn angesiedelt. Die Slowaken kamen zunächst in mehreren Wellen ab Mitte des 18. Jahrhunderts, vor allem in die Batschka und das Banat.

Der serbische Aufstand und die Militärgrenze

Der Erste Serbische Aufstand gegen die osmanische Herrschaft (1804) destabilisierte die Region an der Militärgrenze. Die habsburgischen Militärbehörden beschlossen, die Grenze zu festigen. Um sie besser kontrollieren zu können, wurde entschieden, Padina mit slowakischer und das benachbarte Samoš mit serbischer Bevölkerung neu zu besiedeln.

Die Ankunft der ersten Familien

Die Militärbehörden vermaßen 83 Grundstücke und errichteten einfache Häuser für die neuen Siedler. Im Jahr 1806 kamen die ersten slowakischen Familien aus der Mittelslowakei in den Banat. Es waren rund 80 Familien, die sich in Padina niederließen. Zwei Jahre später, 1808, folgte eine zweite, ähnlich große Gruppe. Die Bedingungen waren hart: Das Dorf lag auf einer Lössplatte, auf der Trinkwasser nur in großer Tiefe zu finden war.

Pfarrer Hamaliar und der Aufbau der Gemeinde

Mit der zweiten Welle kam auch der erste evangelische Pfarrer, Martin Hamaliar, ein gebürtiger Slowake aus Veľký Krtíš. Sein Eintreffen bedeutete nicht nur einen Aufschwung des kirchlichen Lebens, sondern zog eine weitere große Gruppe slowakischer Siedler aus den nördlichen Komitaten des damaligen Ungarn nach sich. Die Gemeinde wuchs und festigte sich.

Wassernot und die tiefen Brunnen

Die Wasserknappheit war so gravierend, dass die Bewohner Padina 1814 verlassen wollten. Die Militärverwaltung ließ dies jedoch nicht zu. Erzherzog Ludwig, der das Dorf besuchte und die Not erkannte, ordnete den Bau von zwei tiefen Brunnen auf Staatskosten an. 1817 waren mehrere dieser Brunnen fertiggestellt. Ihr ungewöhnlicher Fördermechanismus, der von Zugtieren angetrieben wurde, erinnerte an das Mahlen von Getreide. So entstand das bis heute überlieferte Bild vom Dorf, in dem Wasser „gemahlen“ wird.

Kirche und Schule

Die evangelische Kirche wurde nach Plänen des Architekten Bartolomeo Haneke errichtet und 1841 geweiht. Die zweistöckige Schule von 1846 steht für die frühe Bedeutung von Bildung und Sprache in der Gemeinde. In dieser Zeit wirkten auch überregional bekannte Lehrer und Persönlichkeiten wie der Volksbildner Albert Martiš und der Komponist Viliam Figuš-Bystrý in Padina.

Die slowakische evangelische Kirche in Padina
Die slowakische evangelische Kirche in Padina, erbaut 1839 nach Plänen von Bartolomeo Haneke, geweiht 1841. Foto: Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0).
1817
Die tiefen Brunnen

Warum man in Padina vom „gemahlenen Wasser“ spricht

Padina liegt auf einer Lössplatte, auf der Trinkwasser lange nur in großer Tiefe erreichbar war. Wasser zu finden war deshalb keine Nebensache, sondern eine Frage des Überlebens. Die Mechanik der historischen Brunnen wurde durch Zugtiere bewegt und erinnerte an eine Mühle. Daraus entstand eine Redewendung, die bis heute zur Identität des Dorfes gehört. Das restaurierte Šajben-Brunnenhaus bewahrt diese Geschichte.

Der Šajben-Brunnen in Padina
Der restaurierte Šajben-Brunnen, das bekannteste der tiefen Brunnen. Foto: Wikimedia Commons (CC BY-SA).
Die zweite große Bewegung

Diaspora: Die 1960er Jahre und die Folgen

Die Geschichte Padinas endet nicht mit der Ansiedlung. Im 20. Jahrhundert begann eine neue Bewegung – diesmal fort vom Dorf, getrieben von wirtschaftlicher Not und der Suche nach Arbeit.

Die 1960er Jahre markieren einen Wendepunkt in der Demografie der Vojvodina und Padinas. Bis zu diesem Zeitpunkt war die slowakische Bevölkerung in der Region gewachsen. Doch dann setzte eine Abwanderung ein, die sich in den folgenden Jahrzehnten verstärken sollte. Die Gründe waren wirtschaftlicher Natur: Die jugoslawische Wirtschaft öffnete sich, und Arbeitskräfte wurden im Ausland – vor allem in Deutschland und Österreich – gesucht. Emigrationswellen aus ganz Serbien und der Vojvodina, die seit den 1960er Jahren zu verzeichnen waren, richteten sich bevorzugt an diese beiden Länder.

Für Padina bedeutete dies, dass viele junge Menschen das Dorf verließen, um in Westeuropa zu arbeiten. Die Gemeinde verlor Einwohner, und die zurückbleibenden Familien mussten sich neu organisieren. Gleichzeitig entstand eine transnationale Verbindung: Die Padinaer in der Diaspora blieben oft eng mit ihrem Heimatdorf verbunden, pflegten die Sprache und die Traditionen und unterstützten ihre Familien vor Ort.

Die genauen Auswirkungen dieser Migration auf Padina sind bislang nicht umfassend erforscht. Bekannt ist jedoch, dass die Abwanderung anhielt und die Bevölkerungszahl des Dorfes in den folgenden Jahrzehnten zurückging. Die Diaspora wurde zu einem festen Bestandteil der Padinaer Identität – eine Geschichte, die noch geschrieben werden muss.

Offene Forschungsfrage: Wie genau verlief die Migration der 1960er Jahre aus Padina? Welche Familien gingen, wohin, und welche Netzwerke entstanden? Diese Fragen sind noch nicht systematisch untersucht. Wer dazu beitragen kann, ist herzlich eingeladen, sich zu melden.

Persönlichkeiten aus Padina

Menschen, deren Werk weiterwirkt.

Diese Auswahl verbindet Personen, die aus Padina stammen, mit Menschen, die das Dorf entscheidend geprägt haben – in Gemeindeaufbau, Bildung, Literatur und Kunst.

Gemeindeaufbau

Martin Hamaliar

Erster evangelischer Pfarrer Padinas

Hamaliar kam 1808 als erster Pfarrer nach Padina. Sein Eintreffen stärkte nicht nur das kirchliche Leben, sondern zog auch eine weitere große Gruppe slowakischer Siedler aus den nördlichen Komitaten nach Padina. Er gilt als eine der Schlüsselfiguren beim Aufbau der slowakischen Gemeinde.

Bildung und Wirtschaft

Albert Martiš

1855–1918

Der Lehrer, Schriftsteller und Volksbildner wirkte vier Jahrzehnte in Padina. Er gründete 1880 einen Leseverein, 1885 die erste örtliche Hilfs- und Sparinstitution und förderte den Hopfenanbau, für den er auch auf Weltausstellungen ausgezeichnet wurde. Er ist eine der prägendsten Persönlichkeiten der neueren Padinaer Geschichte.

Literatur

Michal Babinka

1927–1974 · geboren in Padina

Der Dichter, Kinderbuchautor, Kritiker, Übersetzer und Journalist gehört zu den führenden Stimmen der slowakischen Literatur in der Vojvodina. Das Kulturhaus in Padina trägt seinen Namen; die jährlichen Babinka-Treffen halten sein Werk lebendig.

Naive Malerei

Ján Bačúr

1937–2022 · geboren in Padina

Bačúr machte Padinas Wege, Felder, Höfe und Bräuche zum Bildgedächtnis des Dorfes. Der Künstler zeigte seine Werke in mehr als achtzig Einzelausstellungen im In- und Ausland und gehörte seit 1985 dauerhaft zur Galerie der naiven Kunst in Kovačica.

Offene Spur · Erfindung

Gesucht: die Person hinter dem Fass

Name und Zeitraum noch unbekannt

Aus Padina kam der Hinweis auf eine Person, die ein besonderes Fass erfunden haben soll. Der Name und die genaue Art der Erfindung sind noch nicht bekannt. Diese Karte hält die Erinnerung sichtbar und lädt dazu ein, die Geschichte mit einem Namen, Zeitraum oder Foto zu vervollständigen.

Die vier namentlich genannten Porträts sind dokumentiert. Die fünfte Karte ist eine offen gekennzeichnete Spur aus der Dorfüberlieferung und wird ergänzt, sobald Name und Erfindung genauer bekannt sind.

Kultur & Erinnerung

Was bleibt.
Und weitergetragen wird.

Ein Dorf lässt sich auch durch seine Häuser, seine Sprache und die Dinge verstehen, die Menschen aufbewahren. Drei Zugänge zu Padinas kulturellem Erbe.

I.

Slowakische Wurzeln

Die Ansiedlung slowakischer Familien im frühen 19. Jahrhundert prägt Padinas kulturelle Identität. Das Kulturinstitut der Vojvodina-Slowaken dokumentiert die Orts- und Vereinsgeschichte.

II.

Ein Haus erzählt

Das slowakische Ethnohaus vermittelt einen Einblick in das Leben früherer Generationen. 2006 wurde es auf Initiative aus der Dorfgemeinschaft und des Frauenvereins mit historischen Gegenständen eingerichtet.

Das slowakische Ethnohaus in Padina
Das slowakische Ethnohaus in Padina. Foto: Wikimedia Commons (CC BY-SA).
III.

Das Dorf der Brunnen

Die Wasserversorgung war für die frühen Bewohner eine Herausforderung. Die historischen Brunnen gehören deshalb zur Ortsgeschichte; auch der Krug ist ein Symbol Padinas.

Padina einordnen

Mitten im Banat.
Offen für Entdeckungen.

Padina liegt in der Vojvodina, im Norden Serbiens, etwa acht Kilometer von Kovačica entfernt. Die Karte hilft bei der Orientierung; Besuchszeiten von Einrichtungen bitte vor einer Anreise direkt erfragen.

Auf der Karte ansehen
LANDSerbien
REGIONVojvodina · Banat
GEMEINDEKovačica
Quellen & weiterführende Literatur

Diese Seite ist eine redaktionelle Zusammenstellung. Die historischen Angaben stützen sich auf die folgenden Quellen, die am 20. Oktober 2026 abgeglichen wurden:

  • Wikipedia-Artikel „Padina (Kovačica)“ (deutsch und slowakisch) für die Gründungsdaten 1806/1808 und die Rolle der Militärgrenze; der Artikel der slowakischen Wikipedia bietet zudem Details zur Vorgeschichte der älteren Siedlung und zur Entscheidung der Habsburger, Padina als Grenzposten neu zu besiedeln.
  • Der Aufsatz „Slováci v zahraničí“ auf matica.sk schildert die Ankunft Hamaliars 1808 und die dadurch ausgelöste weitere Zuwanderungswelle.
  • Der Aufsatz „Völkerwanderungen im größeren Maßstab“ (austriaca.at) beschreibt die Bevölkerungsverschiebungen nach den Osmanenkriegen und die habsburgische Ansiedlungspolitik im 18. Jahrhundert, die auch Slowaken aus Oberungarn in den Banat brachte.
  • Die Darstellung auf matica.sk (Erzherzog Ludwig, Brunnenbau) und der Artikel des Kulturinstituts der Vojvodina-Slowaken („Padina“) zur Bedeutung der Brunnen und des „gemahlenen Wassers“.
  • Die Volkszählungsdaten von 2002 (96,7 % Slowaken) stammen vom Kulturinstitut der Vojvodina-Slowaken. Die slowakische Wikipedia nennt für 2012 5.276 Slowaken bei 5.531 Einwohnern.
  • Zur Diaspora und Migration der 1960er Jahre: Die Quellenlage ist für Padina spezifisch dünn. Allgemeine Studien zur Migration aus der Vojvodina (z. B. „Migrations on the territory of Vojvodina between 1919 and 1948“ auf academia.edu) belegen, dass die Emigration aus der Region seit den 1960er Jahren zunahm und sich bevorzugt nach Deutschland und Österreich richtete. Eine systematische Aufarbeitung der Padinaer Migrationsgeschichte in dieser Zeit steht noch aus.

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